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  • Archiv der Kategorie ‘Personen‘

    Die Krisen der Computergesellschaft – Baecker-Fragmente

    Samstag, den 17. Juli 2010

    Dirk Baecker im Gespräch mit Roger de Weck in der Sendung: Sternstunde Philosophie des Schweizer Fernsehens

    Dirk Baecker geht von seiner These aus:

    Jedes neue Verbreitungsmedium kann als Ueberforderung der vorherigen Gesellschaftsform betrachtet werden. Das heisst also, dass sich das neue Leitmedium zuerst einmal als Problem für die überlieferten sozialen Strukturen darstellt und von der Gesellschaft typischerweise abgelehnt wird. Dieses Muster wiederholt sich seit der Einführung der Schrift in der antiken Gesellschaft.

    Beispielsweise stellte der Übergang der Schriftkultur zum Buchdruck ein Problem dar, weil man mit dem neuen Medium des Buchrucks viel mehr machen konnte als im alten Medium der Schrift. Und mit diesem “Überschusssinn” muss die (nächste) Gesellschaft fertig werden. in seinem Buch: “Studien zur nächsten Gesellschaft” zeigt Becker, welchen Herausforderungen sich die jeweilige Gesellschaft stellen musste und wie sie diesen Überschusssinn jeweils in die Schranken gewiesen hat:

    Im Medium der Schrift kommunizieren auch Abwesende, das heisst Leute, deren Vorschläge und Forderungen man nicht durch den Verweis auf die Grenzen von Ritualgesellschaften kontrollieren kann. Im Medium des Buchdrucks wird die Möglichkeit des kritischen Vergleichs massenhaft verfügbar.

    Baecker, 2007

    Die antike Idee, dass alles seinen Platz und seinen Zweck hat, bändigte den Schriftsinn. Die moderne Idee, dass die Unruhe, der Zweifel, das prekäre Gleichgewicht eine bessere Verankerung für Selbstgewissheit liefern (Decartes’ cogito ergo sum, in dem das Denken vor allem ein Zweifeln ist) als jede Beschwörung der Substanz, des Wesens der Dinge, bändigt bis heute den Überschusssinn des Buchdrucks. Und die mathematische Idee einer Form (George Spencer-Brown),  die sowohl Anschlusssicherheit im Moment als auch mitlaufende Beobachtung des eigenen Nichtwissens gewährleistet, könnte geeignet sein, die Probleme der Einführung des Computers aufzufangen.

    Roger de Weck: Ist surfen nicht das Wort für die Oberfläche bzw. für die Oberflächlichkeit?

    Dirk Baecker: “Nein, überhaupt nicht, im Gegenteil: Surfen (wenn man das im kalifornischen Sinne wörtlich nimmt) ist ein extrem geduldiges, extrem leistungsbewusstes und anstrengendes Unterfangen, das mich auf eine ausserordentliche Art und Weise mit den unberechenbaren Strömungen eines Meeres in Verbindung bringt, das stundenlang die Chance anbietet, sich z. B. vor der Küste Kaliforniens in einer Community zu finden und sich Gedanken zu machen, was eigentlich auf dem Kontinent, auf dem Festland los ist.”

    “Surfen ist die Position einer scharfen Beobachtung des eigenen Untergrundes, von dem man weiss, dass man nicht weiss, was sich unter einem abspielt und der Beobachtung, wo kommen wir eigentlich her und wie können wir unsere Erfahrungen, die wir hier draussen machen, in der Gesellschaft zum Tragen bringen? Es hat also nichts mit Oberflächlichkeit zu tun. Es hat eher etwas mit einer horizontalen Vertiefung zu tun und nicht unbedingt mit einer vertikalen.”

    Der in der Aufklärung Verhaftete wird im Umgang mit neuen Medien die lange Aufmerksamkeitsspanne, den vertieften Umgang mit dem Text, das sogenannte “nahe Lesen” bemängeln, sagt Roger de Weck.

    Dirk Bäcker: ” Wir werden diese Art von Lesen ergänzen müssen durch  ein schnelles, hüpfendes Zur-Kenntnis-nehmen von Weltsachverhalten, das eine neue Art von Aufmerksamkeit erfordern wird. Die neue Art von Konzentration besteht nicht mehr (nur) darin, in die Tiefe eines Textes einzusteigen (und unter uns gesagt, da ist eh wenig zu finden ausser den Problemen, die vielleicht ein Autor mal hatte, als er anfing dieses Buch zu schreiben).”

    Müssen wir also nicht eher eine Form der Konzentration entwickeln, die (wie uns auch die Buddhisten lehren) eher etwas mit einer “schwebenden Konzentration” zu tun hat, wo ich mich also beim Lesen eines Textes oder Buches gleichzeitig immer wieder frage, was hat das, was ich hier lese mit der restlichen Welt, mit anderen möglichen Perspektiven zu tun? Wie lässt sich dies verorten?

    Einladung zur Flüchtigkeit als auch zur gleichzeitigen Vertiefung!

    Virtualität und Wirklichkeit – eine philosophische Betrachtung

    Dienstag, den 6. April 2010

    Vortrag von Prof. Dr. Frank Hartmann

    Der Vortrag stammt aus dem Mediensymposion “Leben im Schwarm –Wie das Internet uns verändert” vom 15. März 2010.

    Zitat aus dem folgenden Vortrag, (auch) als Antwort auf das “Klagelied” in Frank Schirrmachers Buch: Payback:

    In der neuen Ontologie des elektronischen Zeitalters ist die Ordnung der Dinge in den Hintergrund und die Ordnung der Zeichen in den Vordergrund gerückt. Wir würden gut daran tun, eine neue Erkenntnistheorie zu entwickeln, die berücksichtigt, dass wir von der alten platonischen Anmassung befreit sind, welche die Kritik allen Scheins und dessen Rückführung auf ein wahres Sein verlangt.

    Kulturpessimismus

    Die zunehmende Entwicklung des Denkvermögens wäre ohne Auslagerung repetitiver geistiger Fähigkeiten, von der schon die neuzeitlichen Konstrukteure der Rechenmaschinen geträumt haben, gar nicht möglich (gewesen). Serres spottet über die „neuen und alten Klageweiber“, die mit der Medienentwicklung den Verlust der Mündlichkeit, des Gedächtnisses oder der begrifflichen Fähigkeiten beklagt haben und auch heute wieder beklagen: Sokrates, der die Schrift verteufelt, Sorbonne-Gelehrte, die ihr Latein nicht aufgeben wollen, heutige Professoren, die das Internet als Kulturverlust empfinden (was es ironischer- weise ja auch ist).

    Aus: Frank Hartmann: Wissensgesellschaft und Medien des Wissens [PDF]

    Besuch bei Jürg Jegge und seiner Stiftung: märtplatz

    Samstag, den 6. März 2010

    Im Rahmen des Berufspädagogik-Moduls der PH TG besuchten wir (ich und meine Studierenden) am Freitag, 5. März 2010 Jürg Jegge, Leiter der  Stiftung Märtplatz in Freienstein im Zürcher Unterland. Jürg Jegge (Lehrer, Buchautor und Liedermacher) wurde schweizweit bekannt, als er vor ca. 30 Jahren den Bestseller: “Dummheit ist lernbar“schrieb.

    Die Stiftung Märtplatz wurde 1985 gegründet, eine Eingliederungsstätte für junge Menschen mit “Startschwierigkeiten”. Sie ist eine der erfolgreichsten Schweizer Institutionen, was die berufliche Eingliederung betrifft (vgl. auch Interview von Andrea Sailer).

    Es ist kurz nach 11.00 Uhr morgens. Wir suchen das Büro der Stiftung märtplatz bzw. Jürg Jegge. Da die einzelnen Werkstätten auf dem alten Fabrikareal (eine ehemalige Spinnerei) ziemlich verstreut sind, ist es gar nicht so einfach, sich sofort zurecht zu finden. Endlich finden wir Jürg (Jürg Jegge bietet uns sofort das “Du” an) und über “verschlungene Pfade”: Treppe hinauf – durchs Fenster raus auf die Dachterrasse – Treppe runter – Eingang links, dann durch einen langen Gang – kommen wir im Aufenthalts- und Essraum an. Ein heller, von Sonnenlicht durchfluteter Raum.

    Ess- und Aufenthaltsraum

    Jürg Jegge:

    Für mich sind dezentrale, unterschiedlich gestaltete, verwinkelte (Lern)Räume wichtig. Genauso  funktioniert auch Lernen bzw. müsste Lernen kultiviert werden. Möglichst wenig Vorgefertigtes (eben nicht Stapelbares), Vielfalt statt Einfalt, Umwege (sind auch Wege) statt (nur) Geradliniges, viele Freiräume, wo jeder und jede sich die Zeit nehmen kann, die er/sie braucht, für das Entwickeln der für mich wichtigsten 5 Fertigkeiten, nämlich:

    • sich einrichten
    • sich ausdrücken
    • sich zuerchtfinden
    • sich pflegen
    • sich wehren können.
    Jürg Jegge stellt den märtplatz vor

    Menu vom 5. März 2010

    Bevor wir noch weiter ins Gespräch einsteigen, steht bereits das gemeinsame Mittagessen an. Gespräche bei gemeinsamen Essen und Trinken gehören hier ebenso zu einer gelebten Kultur (“nicht zu verwechseln mit Schulhauskultur”, betont Jegge), wie auch die vielen Zusatzangebote: Da gibt es Kurse zu unterschiedlichen Themen, es gibt Clubabende, Begegnungen mit interessanten Menschen, Konzerte, Kabarettprogramme usw., wo die Jugendlichen – neben der eigentlichen Berufsbildung – nutzen können.

    Die Köche und Köchinnen (2 Auszubildende und 2 Lehrmeister plus weiteres Personal) vom Märtplatz verwöhnen uns mit einem wunderbaren Mittagessen. Nach dem Mittagessen führt uns Jürg Jegge dann durch die verschiedenen Werkstätten:

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, am Märtplatz einen Lehrabschluss zu machen, nämlich
    a) als Anlehr- oder, wo es möglich ist, Attestlehrabschluss, b) nach einer nicht reglementierten Lehre wie die der JournalistInnen, c) nach Artikel 32 des Berufsbildungsgesetzes (BBG) ohne Besuch der regulären Berufsschule und d) nach Bestehen der reglementierten Berufslehre. Zur Zeit können zehn verschiedene Berufe in den Bereichen: Küche, Schneiderei, Foto-, Medien- und Theaterwerkstatt, Töpferei und Journalismus erlernt werden. Auch eine sogenannte Berufsfindungszeit ist möglich.

    Theaterwerkstatt

    Theaterwerkstatt

    Hier stehen wir z.B. in der Theaterwerkstatt, wo KascheurInnen und TheaterplastikerInnen ausgebildet werden. KascheurInnen und TheaterplastikerInnen fertigen alle sichtbaren dreidimensionalen Objekte an. Dazu können Gebäudeteile wie Gesimse oder Säulen, Plastiken oder sogar überdimensionierte Hamburger gehören. Wichtige Arbeitsmaterialien sind Kunststoffe, aber auch natürliche wie Gips, Holz oder Ton. Diese Lehre dauert in der Regel vier Jahre.

    Jürg Jegge:

    Freiraum heisst auch: Individuelle, mit den betreffenden Menschen erarbeitete und auf sie zugeschnittene Konzepte für die Ausbildung zu erarbeiten. Wir schauen z.B. wie weit kann dieser Lehrling kommen? Welche zusätzlichen Qualifikationen könnte er oder sie sich noch erwerben? So machen z.B. unsere Fotofach-Angestellten noch einen EU-Abschluss als Fotograf in Wien.

    Hier werden also Ausbildungsprogramme an die Menschen angepasst und nicht umgekehrt!

    Jürg Jegge im Gespräch

    Nach unserem Rundgang durch die Werkstätten treffen wir uns für eine weitere Diskussionsrunde wieder im Ess- und Aufenthaltsraum, wo wir uns über die ersten Märtplatz-Eindrücke und weitere pädagogische Herausforderungen unterhalten.

    Zum Schluss stelle ich Jürg Jegge noch 2 Fragen:

    1. Inwiefern ist das, was du vor 30 Jahren im Buch: “Dummheit ist lernbar” beschrieben hast, heute noch relevant?

    2. Was würdest du Lehrern und Lehrerinnen mit auf ihren Berufsweg geben?

    Die Antworten von Jürg Jegge hier im Originalton:

    Oder mit anderen Worten:

    Fortschritt ist nur möglich, wenn man intelligent gegen die Regeln verstößt.

    Boleslaw Barlog (Deutscher Theaterregisseur 1906 – 1999)

    Herzlichen Dank Jürg Jegge für diesen sehr eindrücklichen Tag.

    Jürg Jegge signiert sein Buch: "Fit und fertig"

    Jürg Jegge signiert sein neustes Buch: “Fit und fertig”

    Weitere Literatur von Jürg Jegge:

    http://www.zytglogge.ch/sachbuch/sachbuch12.html

    Mit Twitter auf den Spuren des Dialogs

    Montag, den 20. April 2009

    Gedanken zu den Potenzialen von Microblogging im Sinne
    des “generativen” Dialogs (nach David Bohm)

    Bezugnehmend auf den Kommentar von Martin Lindner zum
    Blogeintrag:  “Twitter-Tool für Schule & Unterricht:

    Man schickt sich eben nicht “Botschaften” direkt, man “veröffentlicht” sie. Man stellt sie in die große Wolke über den Köpfen. Trivial-Haikus, sozusagen, oder auch Alltags-Mikro-News. Es bedeutet einen entscheidenden Schritt weg vom eigenen Ich.

    … ist mir spontan wieder der Quantenphysiker David Bohm (1917 – 1992) und seine Arbeiten zum “generativen Dialog” (im Gegensatz zur Diskussion) in den Sinn gekommen. Sehr spannend fand ich, wie ich einiges von dem, was Bohm im Buch: “Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen” beschreibt, mehr als 10 Jahre später in einer Twitter-Community (wenn auch nur ansatzweise) nachvollziehen konnte bzw. auch Potenziale sehe, diese Art Dialog auch in Online-Communities zu praktizieren.

    Es lohnt sich also, das Thema “Twitter” auch aus der bohmschen Dialog-Perspektive zu reflektieren. Doch zuerst ein paar Gedanken  zu Bohms Dialog-Verständnis:

    Diskussion: hat dieselbe Wurzel wie “Perkussion” und “Konkussion” (Gehirnerschütterung), lateinisch von discutere = zerschlagen, zerteilen, zerlegen

    Dialog: (griechisch von Dia = durch, Logos = Wort) für Bohm die Bedeutung eines “freien Sinnflusses, der unter uns, durch uns hindurch und zwischen uns fliesst”. Es geht also beim Dialog eher um Partizipation, um Teilhaben, sich beteiligen, miteinander denken.

    Der Dialog (vor allem auch innerhalb einer  Gruppe bzw. Community) ist wie eine Bühne zu betrachten, auf der kollektives Lernen stattfindet und wo ein Gefühl zunehmender Harmonie, Kollegialität und Kreativität entstehen kann.

    Es geht also nicht um das Vertreten von Positionen oder das Verteidigen der eigenen Meinungen:  “Es steckt eine Menge Gewalttätigkeit in den Meinungen, die wir verteidigen.” (Bohm, 1998)

    Dialog nach Bohm hat etwas erkundendes, etwas erforschendes. Für das Führen eines Dialogs sollen deshalb auch keine strengen Regeln festgelegt werden, denn die Essenz des Dialogs ist Lernen – nicht als Resultat der Aufnahme von Informationen oder Doktrinen, die von einer Autorität festgelegt wurden, und auch nicht als Mittel, eine bestimmte Theorie oder ein Programm zu prüfen und zu kritisieren, sondern als Teil eines fortwährenden Prozesses von kreativem Miteinander unter Gleichgesinnten.

    Diese Art von Dialog hat gemäss Bohm zusätzlich noch den Vorteil, dass eine gewisse Entschleunigung in der Kommunikation stattfinden kann, die uns die Möglichkeit gibt, Reaktionen (z.B. Gefühle, Vorannahmen) in-der Schwebe-zu-halten und so auch unsere Denkbewegungen (wie komme ich zu diesem Denken und was sind die Konsequenzen?) zu reflektieren. Diese Eigenwahrnehmung des Denkens nennt man auch Propriozeption. Das Denken sollte also fähig sein, seine eigene Bewegung wahrzunehmen. Nach Bohm sieht sich das Denken (leider) nicht als eine Bewegung. Es sieht sich als die Wahrheit, als etwas, das einfach da ist und uns die “Realität” zeigt, so wie sie ist. Das ist bei den anderen körperlichen Bewegungen nicht so: Wenn ich z. B. den Arm bewege, bin ich mir bewusst, dass ich diese Bewegung initiiert habe und nicht irgend jemand anders. Dem Denken fehlt in der Regel dieses Bewusstsein, es ist also nicht proporiozeptiv, aber hätte – gemäss Bohm – Propriozeption bitter nötig, um z. B. die diversen z.T. komplexen (auch globalen)  Herausforderungen kreativer angehen zu können.

    Windspiel-für-48-Stunden-Neukölln-von-JAC&MEYLENSTEIN-13

    Quelle: www.flickr.com, Windspiel-für-48-Stunden-Neukölln-von-JAC&MEYLENSTEIN-13

    Klangbeispiel: Quelle: http://www.toy-spectrum.de

    Welche Grundhaltungen und Rahmenbedingungen sind nun in einem Dialog für Bohm hilfreich? Ich habe diejenigen bohmschen Maximen aufgelistet, wo ich Parallelen, Potenziale und Chancen sehe, den generativen Dialog gerade auch mit den Neuen Medien und mit Microblogging im besonderen zu praktizieren:

    1. Die Grundhaltung ist die des Lernen-Wollens,

    nicht die des Schon-Wissens.

    2. Es braucht einen leeren Raum,

    wo wir zulassen können, dass über alles geredet wird, wo es keine Autorität gibt, keine Hierarchie, keine feste Zielsetzung und keine Tagesordnung, also keine Vorschriften etwas tun zu müssen.

    3. In-der-Schwebe-halten.

    Es ist nicht so wichtig, ob man auf eine Aussage reagiert oder ihr zustimmt oder nicht. Sprechen (bzw. schreiben) ist natürlich wichtig, denn ohne Sprechen gäbe es im Dialog nichts zu erkunden, aber der eigentliche Prozess des Erkundens findet beim Zuhören – den andern und auch sich selber – statt.

    Dieses In-der-Schwebe-halten (also nicht oder nicht sofort reagieren zu müssen) halte ich auch beim Twittern für einen wichtigen Aspekt. Es ist zudem mit einer 140-Zeichen-Begrenzung gar nicht möglich so zu argumentieren wie wir es uns in traditionellen Diskussionen (z.B. auch im Chat oder in Foren usw.) gewohnt sind.  Es ist (um auf das obige Bild einzugehen) eher wie bei einem Windspiel: Ein Einhängen, ein Einstellen von  Klangkörpern, wo sich evt. etwas Neues, ein Gesamtklang ergibt, falls die einzelnen Klangkörper mit andern in Berührung kommen. Es kann, muss aber nicht!

    4. Partizipierendes Denken und das Unbegrenzte

    Nach Bohm sind Begrenzungen relativ und dienen nur beschreibenden Zwecken. Es geht beim partizipierenden Denken um eine andere Art des Wahrnehmens, um das Gefühl, dass Grenzen nicht wirklich Trennungen sind. Zum Beispiel ist der individuelle Körper des Menschen wohl deutlich von anderen getrennt, wenn auch nicht gänzlich, da er mit Luft, Licht und Nahrung verschmilzt. Analog gilt das natürlich auch für unsere Gedanken, die auch ausserhalb unseres Körpers zirkulieren und mit anderen Ideen, Gedanken verschmelzen bzw. sich anreichern.

    Eine weitere Bedeutung von partizipierendem Denken besteht darin, dass die Community eine Quelle ist, an der ich teilhabe und wo ich die Möglichkeit habe, einen Beitrag zu leisten, mich zu beteiligen. Bohm hebt auch hervor, dass man sich dazu nicht notwendigerweise persönlich kennen muss. Es geht eher darum, dass wir auf einer anderen Ebene eine Art Band schaffen, das er “unpersönliche Gemeinschaft” nennt.

    5. Das eigene Denken beobachten (Propriezeption)

    Bohm schreibt dazu:

    Das Denken sollte fähig sein, seine eigene Bewegung wahrzunehmen, sich seiner eigenen Bewegung bewusst zu sein. Im Denkvorgang sollte es ein Bewusstsein dieser Bewegung geben, der Absicht zu denken und des Ergebnisses, das dieses Denken erzeugt. Wenn wir aufmerksamer werden, können wir dessen gewahr werden, wie das Denken ein Resultat ausserhalb unserer selbst erzeugt. Und dann wären wir vielleicht auch fähig, dem, was das Denken in uns selbst hervorruft, unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Vielleicht könnten wir sogar sofort bemerken, auf welche Weise das Denken die Wahrnehmung beeinflusst.

    Microblogging ist asynchron und somit bietet es mir die Chance, mir genügend Zeit zu nehmen und zuzuhören, sowohl nach innen wie auch nach aussen. Es wäre sicher etwas allzu euphorisch zu sagen, dass wir mit Microblogging automatisch auf diese (propriozeptive) Reflexionsstufe kommen. Aber eine gute Uebungsanlage (für diejenigen, die das wollen) ist Microblogging allemal, nämlich das Innehalten und Beobachten zu üben und zu praktizieren, was im Face-to-Face-Kontext sicherlich eine noch grössere Herausforderung darstellt.

    Schule

    Samstag, den 28. März 2009

    Fritz B. Simon hat in seinem Blog: Simons systemische Kehrtwoche eine interessante Schuldebatte angerissen. Vor allem gefällt mir aus dieser Diskussion das folgende Zitat:

    Ich denke, Schule sollte sich auf Bildung im traditionellen Sinne (auch und gerade als Persönlichkeitsbildung) zentrieren und alle sachliche Zweckbezogenheit über Bord werfen. Kein Mensch weiss heute, welches Wissen unsere Kinder in der Zukunft brauchen. Also sollten wir sie in die Lage versetzen, es dann zu generieren, wenn sie es brauchen, statt es jetzt zu “speichern”. Wir sollten Musse- und Reflexionsfähigkeit als Hauptfächer etablieren. Die Fähigkeiten, die man braucht, um sich kreativ sein eigenes Weltbild und seine eigene Welt zusammen zu bauen, müssten vermittelt werden…

    Also: Mehr Kunsterziehung,  mehr Musik, Philosophie, Erkenntnistheorie etc. Und schmeißt das Datengehubere über Bord.

    Leider kenne ich noch genug Lehrer, die Bildung mit Datenwissen u. Ä. gleich setzen. Die halte ich für nur beschränkt tauglich, oder überhaupt für ziemlich beschränkt…

    Essenzen zu: “Fragen – eine Kunst des Zuhörens”

    Sonntag, den 1. Februar 2009

    In diesem Workshop (30./31.01.2009 bei wilob) stand die Kunst des Fragens im Mittelpunkt – eine Kunst, die ohne das Handwerk des Zuhörens nicht denkbar ist.

    Ausgehend von systemischen Ideen ging es in diesem Workshop darum, herauszuarbeiten, wie Fachleute sich so organisieren, dass sie mit Hilfe ihrer Fragen, Kommentaren und Hypothesen möglichst hilfreich und zieldienlich handeln können.

    Ich denke, dass die folgenden Essenzen nicht nur im therapeutisch-beraterischen Kontext von grosser Bedeutung sind, sondern zunehmend auch in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen.

    Wichtige Essenzen aus aus diesem Workshop:

    • Der wichtigste Fach-Terminus in der systemischen Beratung heisst “DANKE“.
    • Das “Jürgen-Hargens-Prinzip”: zuhören, “gnadenlos wertschätzen” (nicht schönreden), umdeuten (positiv rahmen, reframing)
      Beispiel: “Ich will mich abgrenzen” - Antwort: “Die Grenzlinie ist die einzige Verbindung zu dem, von dem Sie sich abgrenzen wollen.”
      Beispiel: “eine chaotische Klasse oder eine Multiziele-Klasse?
    • respektieren ist nicht gleich akzeptieren.
    • Humorvoll sein – aber nicht auf Kosten des Klienten.
    • Versuche nicht zwischen den Zeilen zu lesen, denn da steht eh nichts. Also lieber “ins Wort hineingehen”, “wörtlich nehmen”, “gegen den Strich lesen”. Beispiel: “Nichts hilft!” – Antwort: “Wie genau hilft Ihnen das “Nichts”?
    • Die Antwort, die wir bekommen, ist immer die richtige.
    • Rahmen setzen und gut für sich sorgen auch im Sinne einer manchmal “wertschätzenden, sozialen Unhöflichkeit”.
    • “Gut zuhören ist wichtiger als gut fragen. Höre genau zu, verstehe nicht zu schnell, gönne dir Zeit und frage beharrlich weiter … aus echtem Interesse und anteilnehmender Neugier heraus. Also keine Tricks!!!
    • Nichtwissen ist eine Chance. Je mehr Kompetenz  ich (glaube zu) habe/n, desto grösser ist die Gefahr, dass ich zum “Besserwisser” werde.
    • Erst die Idee, dass ein Sachverhalt lösbar ist, macht ihn als Problem erkennbar.
    • Ein chronisches Problem ist eines, worüber man noch nicht lachen kann.
    • “Das Problem” ist kein monolithischer Block, es lassen sich stets kleine Risse finden, an denen der Problem-Block sich auftrennen lässt. … ”Konstruktive” Zweifel säen und damit die Problem-Gewissheit aufbrechen bzw. verflüssigen.
    • Transparent machen: Eigene Überlegungen in Form von konjunktivistischen Beschreibungen veröffentlichen.
      Beispiel: “Was Sie Depression nennen, könnte bei mir zu der Vorstellung führen, welche Stärken Sie gehabt haben könnten, um zu überleben.  Ich würde überlegen, ob ich von Depression sprechen würde oder ob ich es ein hartes und schweres Leben nennen würde.”
    • Ziele – Ziele -Ziele handlungsorientiert nachfragen: Wir wissen nicht, was Fragen auslösen, somit gibt es auch keine richtigen und falschen Fragen, sie können höchstens mehr oder weniger hilfreich sein. Auch die Ziele ändern sich ständig.
    • Traue ich meinem Klienten/Lernenden das Ziel oder die Veränderung zu? (Thema: Self fulfilling prophecy) Beispiel:  “Mein Coach denkt, ich bin ein schwerer Fall… da will ich ihn nicht enttäuschen.

    Systemisch-lösungsorientiertes Arbeiten

    Systemisch-lösungsorientiertes Arbeiten geht weit über die Anwendung von Techniken und Methoden hinaus und verkörpert eher eine (wertschätzende, ressource- und lösungsorientierte) Haltung gegenüber Menschen und ihren Kompetenzen. Jürgen Hargens ist im deutschsprachigen Raum einer der erfahrensten Vertreter dieses Ansatzes. In seiner über 25 jährigen Berufspraxis hat er sich und seine Arbeitsweise in einem fortlaufenden theoretischen und praktischen Diskurs weiterentwickelt.

    Quelle: Förderraum DenkGenuss

    Zur Person

    Jürgen Hargens am wilob, 2009

    Jürgen Hargens am wilob, im Januar 2009

    Jürgen Hargens

    Dipl. Psychologe, klinischer Psychologe/Psychotherapeut und Supervisor BDP, Familientherapeut/systemischer Therapeut und systemischer Supervisor DFS. Psychologischer Psychotherapeut. Freie Praxis. 1983 Gründer und bis 1992 Herausgeber der Zeitschrift für systemische Therapie. 1992 Gründer und Leiter von projekt:system. Autor zahlreicher Publikationen.

    Ein umfassenderes Verzeichnis der Publikationen von Jürgen Hargens findet sich in http://www.kopiloth.de/prosys.htm