Neue Luzerner Zeitung Online, 13. Februar 2011, 05:00
Der iPhone-Versuch hat sich gelohnt

«Am Anfang wollten die Schüler alles mit dem iPhone machen.» Lehrer Neff und sein Schüler Jeremy Truttmann erzählen an der Fachtagung «One-to-One-Computing» an der Pädagogischen Hochschule Schwyz. (Bild: Andreas Oppliger/Neue SZ)
Die Schüler der Klasse 6c des Goldauer Lehrers Christian Neff sind seit eineinhalb Jahren im Rahmen eines wissenschaftlichen Pilotprojektes des Instituts für Medien und Schule (IMS) mit iPhones ausgestattet. Im Rahmen einer Fachtagung des IMS an der Pädagogischen Hochschule (PH) Schwyz zu diesem Thema, zieht Neff mit seinen Sechstklässlern nun eine erste Bilanz.
«Eigentlich funktioniert alles wie zuvor», sagt Neff. «Und auch das Lernen ist mit den iPhones nicht leichter geworden.» Aber offensichtlich effizienter, wie Beispiele aus dem Schulalltag der Projektklasse zeigt. «Mit einem Programm auf dem iPhone kann das Kopfrechnen sehr individuell trainiert werden.» Was dazu führte, dass Neffs Klasse deutlich besser bei Kopfrechnentests abschloss als andere. Kein Wunder: In den eineinhalb Jahren habe jedes Schulkind der Projektklasse im Schnitt 11’000 Kopfrechnungen auf seinem iPhone gelöst.
«In den eineinhalb Jahren haben die SchülerInnen einen sehr reifen Umgang mit dieser Technik entwickelt.» Und immer wieder habe das iPhone dazu geführt, dass bei den SchülerInnen ein gewisser Wissensdurst entfacht worden sei. «Auf einem Ausflug gingen wir an einem Brunnen vorbei, der einer Persönlichkeit gewidmet war», erzählt Neff. «Sogleich haben mehrere Schulkinder ihr iPhone hervorgenommen und im Internet nach Informationen zu dieser Person gesucht.» Die ständige Verfügbarkeit des Internets habe denn auch den Unterricht im Klassenzimmer verändert – denn die SchülerInnen dürfen das Smartphone nahezu jederzeit nutzen. «Ein auf dem Pult liegendes iPhone ist mittlerweile ein ganz normales Bild, und in der Schultasche ist das Gerät so selbstverständlich wie ein Bleistift geworden.» Letzterer käme genau gleich zum einsatz, nämlich während rund 15 Prozent der Unterrichtszeit.
Kaum negative Erfahrungen
Schlechte Erfahrungen mit dem iPhone hat die Goldauer Klasse 6c kaum gemacht. «Einzig die Akkuleistung ist bei diesem Gerät katastrophal», meint der Klassenlehrer. Von unterschiedlicher Seite geäusserte Ängste wie Suchtgefahr, zu hohe Telefonrechnungen oder das Verbreiten von Gewaltvideos oder Pornographie hätten sich nicht bestätigt
Noch bis zu den Sommerferien dauert der Schulversuch in der Goldauer Schule. Ob die Kinder dann das iPhone behalten dürfen, ist noch unklar. Doch sowohl für Christian Neff als auch die SchülerInnen der Klasse 6c ist bereits heute klar: Der Versuch hat sich gelohnt.
Auf das nächste Schuljahr wird der Versuch mit persönlichen Computern für jedes Schulkind auf drei Primarklassen ausgedehnt. Das gab Beat Döbeli Honegger, Projektleiter beim Institut für Medien und Schule (IMS) an der Pädagogischen Hochschule (PH) Schwyz an einer Fachtagung am Freitag bekannt: “Noch ist aber nicht klar, mit welchen Geräten wir die Goldauer Primarschüler ausstatten werden.” In Frage kämen Smartphones, Tablets oder auch iPads und Netbooks. Zudem könne er sich auch vorstellen, drei Klassen mit je einem anderen Gerät auszurüsten. Mit der Ausweitung des Projektes wolle man sich mit der Thematik auseinandersetzen und einzelne fachspezifische Aspekte, wie beispielsweise den Einsatz im Musikunterricht, genauer anschauen. “Es lohnt sich, dieses Projekt weiterzuentwickeln. Denn das ist die Zukunft der Schule.”
Quelle: Zentralschweiz am Sonntag