Programm der Moodlekonferenz 2007 – mein Beitrag
Freitag, den 2. März 2007
Michael Kerres schreibt soeben in seinem Blog, dass das Programm der moodlekonferenz 2007 vom 28. und 29. März 2007 in Dusiburg ab sofort online ist!
Von den 70 Einreichungen wurden die Beiträge ausgewählt, die die besten Bewertungen erhielten. In drei parallelen Tracks werden E-Learning Expert/innen aus Schulen, Hochschulen und Wirtschaft / Erwachsenenbildung über innovative Lehr-Lernszenarien auf der Basis der open source Lernplattform moodle sprechen. In den deutsch- und englischsprachigen Präsentationen und Workshops werden neue Entwicklungen vorgestellt und Foren für den Austausch geboten. Bereits angemeldet sind über 200 Personen aus ganz Europa.Die E-University Duisburg-Essen freut sich darauf, die moodle community zu dieser wissenschaftlichen Tagung am Campus Duisburg begrüssen zu dürfen.
Ich freue mich sehr, an dieser Veranstaltung mitwirken zu können und werde mich in meiner Keynote, die unter dem Obertitel: “Moodle und Lernarchitekturen der Zukunft” läuft, vor allem um die “Lernarchitekturen” in unseren Köpfen kümmern bzw. mich auf die professionelle Lernbegleitung im Online-Kontext konzentrieren. Denn im Zuge der Diskussion um die Veränderung der Schulen und Hochschulen von der Belehrungs- zur Lernkultur (vgl. Neumann/Osterloh 2002) und den didaktischen Konsequenzen taucht je länger desto mehr die Forderung auf, dass Lehrende auch Coachingfunktionen übernehmen müssten, um selbstorganisiertes Lernen erfolgreich gestalten und begleiten zu können.
Dies gilt insbesondere auch für den Online-Kontext. Denn trotz grossem Interesse an E-Learning und den Vorteilen, die E-Learning bietet, bleiben virtuelle Klassenzimmer (und sogar auch Moodle-Räume
) leider immer noch viel zu oft leer. Nach wie vor ist der grösste Hemmschuh, E-Learning-Angebote zu nutzen, die mangelnde Betreuung der Lernenden bzw. die mangelnde Kompetenz der LernbegleiterInnen, Lernprozesse effektiv und professionell begleiten und unterstützen zu können. Das ist bereits im Präsenzunterricht eine Herausforderung und ist es in den Online-Phasen erst recht.
Doch, was heisst professionelle Betreuung und wie kann man (Online-)Betreuung (online) lernen?
Zur ersten Frage: Was heisst professionelle Betreuung?
Es gibt mittlerweile viele Fachbücher und Websites, die klassische Tipps und Orientierungshilfen bieten, wie Lernende (online) betreut werden sollen. Das Problem dabei ist, dass die eigentliche Prozessbegleitung entweder gar nicht erwähnt wird und wenn sie erwähnt wird, das Thema beispielsweise mit Verhaltens-Checklisten abgehandelt wird, wo z.B. steht: “Machen Sie dies, schreiben Sie so, machen Sie dies nicht usw.” Es fehlt oft ein klares Modell, aufgrund dessen Interaktionsmuster, Haltungen und Einstellungen gegenüber dem Lernen und den Lernenden systematisch trainiert werden können.
Ein mögliches Modell, das sich auch für den Online-Kontext sehr gut eignet, ist der ressource- und lösungsorientierte Ansatz. Dieser geht im Gegensatz zu klassischen Ratgebern einen völlig anderen Weg: Nicht Probleme und Defizite, sondern Stärken, Entwicklungspotential, Chancen und Möglichkeiten der Lernenden stehen im Mittelpunkt. Grundlage dieses Ansatzes sind die Philosophie und die Strategien der lösungsorientierten Kurzzeitberatung, wie sie seit über 30 Jahren in Milwaukee/USA von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer entwickelt wurden.
Zur zweiten Frage: Wie kann man (Online-)Betreuung (online) lernen?
Viele Lehrpersonen sind sich gewohnt, dass Lernziele durch Einüben, Pauken, Auswendiglernen oder Exerzieren erreicht werden können. Bei der (Online-)Betreuung geht es aber nicht in erster Linie um das Aneignen von Theorien und das Trainieren von Techniken und Methoden, sondern viel mehr um den Aufbau von Haltungen wie Empathie, Intuition, geistige Flexibilität usw. Also weg vom “So-wird’s-gemacht-Curriculum” hin zur Flexibilität der Selbstkonstruktionen des Lerncoaches. Weg von der Machbarkeit hin zur Entwicklungsorientierung. Weg von der wissenschaftlich längst nicht mehr haltbaren Objektivierbarkeit und Operationalisierbarkeit hin zu einem begleitenden Lehren durch Konversation, zu einem sich entfaltenden Lernen durch Experiment und Erfahrung (vgl. Siegfried Essen, 1997). Lernziele, die ein solches Erfahrungslernen verlangen, ein paradoxes absichtsloses Sich-Selbst-Infragestellen, ist sich der moderne Bildungsbetrieb nicht gewohnt.
In den Lerncoaching- und E-Coaching-Ausbildungen versuchen wir aber genau das zu ermöglichen. In meiner Keynote werde ich aufzeigen, inwiefern gerade der Online-Kontext für das Trainieren von solchen Haltungsänderungen von Vorteil sein kann und wie wir Moodle (und weitere Applikationen) als unterstützendes Coaching-Tool einsetzen.