Formelles und informelles Lernen mit Moodle
Prof. Kerres stellt im Zusammenhang mit Web 2.0 bzw. E-Learning 2.0 in seinem Blogeintrag folgende These auf:
These 3: Lasst uns schulische Lernwelten bauen, die “permeable” sind zu dem Rest des Internet, in dem sich unsere Kids tummeln. Lasst die Inhalte rein und lasst sie raus ins Netz [...].
Wie kombinieren wir das “wirkliche Leben” bzw. das informelle Lernen mit dem formellen Lernen? Braucht es überhaupt noch Lernplattformen, wenn die “Content fixierten” Ansätze in Zukunft mehr und mehr in Frage zu stellen sind? Kerres bemerkt dazu:
Stellt nun diese 2.0-Diskussion eine solche Lernplattformstrategie infrage? Nun, sicher nicht. Wir brauchen heute ordentliche Lernplattformlösungen und da ist Moodle sicher eine gute Wahl – gleichwohl sollten wir erkennen, dass die Zukunft wohl letztlich zu flexibleren Lernlandschaften führen wird, die das Lernen mit digitalen Medien nicht auf die “eine” Lernplattform einengen wird können. Wir wollen deswegen auf der Moodle-Konferenz auf die Frage der Konvergenz mit anderen Tools und der Vernetzung von Moodle mit anderen Werkzeugen aufgreifen und gezielt solche Entwicklungen vorstellen.
Deswegen heisst die Tagung ja auch “Moodle and Beyond”![]()
Ich kann diesen Ansatz nur bestätigen und möchte dies an einem konkreten (gelungenen) Beispiel zeigen, wie mit wenig Aufwand z.B. mit Moodle (und sogar ohne zusätzliche Tools) eine solche “permeable” Lernwelt (wenn auch nur in Ansätzen) geschaffen werden kann.
Zwei FranzösischlehrerInnen des kaufmännischen Bildungszentrums in Zug haben diesen Sommer mit 3 Klassen das “Journal d’été” lanciert. Ziel war es, den Lernenden Gelegenheit zu bieten, auch während den Sommerferien möglichst viel Französisch zu sprechen bzw. zu schreiben.

Eintrittseite: der journaux d’été
Die Lernenden erhielten den Auftrag, während den Sommerferien und darüber hinaus ein “Journal d’été” zu führen. Vorgegeben wurde z.B., dass das Journal eine persönliche Vorstellung, eine Stellungnahme (von Texten aus dem Internet, aus dem TV oder Radio oder persönliche Erlebnisse) und eine Repetition eines Themas des ersten Lehrjahres beinhalten musste. Die Beiträge konnten in Form von Forumsbeiträgen oder als Podcast gemacht werden. Zwischen dem 8. Juli und dem 7. Oktober mussten die Lernenden wöchentlich 3 eigene Beiträge posten plus auf 3 Beiträge von KollegInnen antworten.
Ausschnitt aus dem Arbeitsauftrag (auf das Bild klicken, um es zu vergrössern)
Trotz anfänglicher Skepsis: “Was, jetzt müssen wir sogar noch während den Sommerferien arbeiten?” haben viele Lernende mit der Zeit Spass gefunden sich von überall her einzuloggen, sich auszutauschen und das sogar auf Französisch! Man hat an der Art der Einträge gemerkt, dass der formelle Charakter bei einigen Lernenden völlig vergessen ging. Formelles und informelles Lernen konnte also gar nicht mehr so genau getrennt werden.

Ausschnitt der Forumsbeiträge des “journal d’été”
Ein weiterer Ausschnitt der Forumsbeiträge des “journal d’été”
Wichtiges Detail: Damit die Lernenden wirklich schreiben und Freude bekommen am sich ausdrücken, wurde auf das Korrigieren der Einträge ausdrücklich verzichtet. D.h. korrigiert wurde (wenn überhaupt) nur in dem Sinne, dass die Lernbegleiterin, wenn sie sich zu einem Eintrag äusserte, evt. ein Statement wiederholte und dieses in “korrektem” Französisch wiedergab. Um es mit den Worten von Peter Bichsel auszudrücken: Es sollte ja beim Sprachen lernen hauptsächlich um das Erlernen der Sprache gehen bzw. auch um die Freude eine Sprache zu lernen und nicht (nur) um das Erlernen der Schwierigkeiten einer Sprache.
Viele Lernende haben dann auch ein sehr positives Feedback zu dieser Sommerferienaktivität abgegeben. Als Beispiel hier ein E-Mail einer Schülerin:
Grüezi Frau Fuchs
Seit einigen Wochen schreibe ich, wie viele andere, regelmässig an meinem Journal. Da ich das eine tolle Sache finde, wollte ich meine Meinung auch gerne an die LehrerInnen des KBZ weiterleiten. Ich persönlich habe sehr profitiert in dieser Zeit und habe meine Fortschritte deutlich erkennen können.
Freundliche Grüsse
Lea
Unterdessen wurde von vielen Lernenden der Wunsch geäussert, man solle doch diese Uebung nächsten Sommer wiederholen und dasselbe z.B. auch in Englisch machen. Was will man da als LernbegleiterIn noch mehr?


Am 10. November 2006 um 09:52 Uhr
Gratuliere! Das ist eine sehr schöne Idee und auch eine sehr schöne Umsetzung!
Übrigens, dein Link auf den Blogeintrag von Michael Kerres funktioniert leider nicht. Kannst du den noch einmal angeben? Ich habe den Beitrag eben nicht gefunden.
Herzlicher Gruss
Miriam
Am 10. November 2006 um 22:01 Uhr
danke, interessantes beispiel!
beste Gruesse
Michael Kerres
Am 8. Oktober 2007 um 11:49 Uhr
klingt nun am Ende eines Emails die Formulierung *Mit besten Grüßen* unfreundlich, distanziert, von oben herab usw. oder ist die eine freundliche, wohlwollende Formulierung?